Eine Familiengeschichte über Generationen

Die Geschichte des Hauses Stemp

Die Geschichte des Hauses Stemp ist keine Hotelgeschichte im klassischen Sinn.
Sie ist eine Familiengeschichte. Eine Geschichte von Arbeit, Wandel, Abschied und Neubeginn.
Und sie erklärt, warum aus einem Bauernhof im Bayerischen Wald über Jahrzehnte hinweg ein Ort der Erholung werden konnte.

Landwirtschaft, Schusterei und ein Hof als Lebensmittelpunkt

Die Zeit der Wurzeln

In der Mitte des letzten Jahrhunderts war der Hof der Familie Stemp vor allem eines: Lebensgrundlage.
Die Familie lebte von der Landwirtschaft und von einer eigenen Schusterei. Beides war selbstverständlich, beides verlangte täglichen Einsatz. Arbeitstage kannten keine festen Zeiten, Freizeit war selten, Verantwortung allgegenwärtig.

Mit fortschreitender Industrialisierung veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen. Die industrielle Fertigung verdrängte das traditionelle Handwerk zunehmend. Die Schusterei verlor an Bedeutung, landwirtschaftliche Kleinbetriebe gerieten unter wirtschaftlichen Druck. Was über Generationen getragen hatte, wurde immer schwieriger aufrechtzuerhalten.

Die Aufgabe der Schusterei – und später auch der Landwirtschaft – war kein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit.
Sie war verbunden mit Unsicherheit und der Frage: Wie soll es weitergehen?

Amelie Stemp erkennt eine Chance

Die Idee „Urlaub auf dem Bauernhof“

In dieser Phase erkannte Amelie Stemp, dass genau das, was für die Familie Alltag war, für andere etwas Besonderes sein konnte:
Ruhe, Natur und echte Begegnungen – fernab von anonymem Massentourismus.

Anfang der 70er entstanden über dem Kuhstall die ersten Gästezimmer. Klein, einfach und vollständig in den bestehenden Hof integriert.
Kein großer Umbau, keine hohen Kredite – sondern ein vorsichtiger, durchdachter Schritt.

Die Nachfrage wuchs. Gäste kamen wieder.
Ein neuer Weg begann sich abzuzeichnen.

1966 – Herbert wächst in diese Welt hinein

Im Jahr 1966 wurde Herbert Stemp geboren.
Er wuchs auf dem Hof auf, mitten in einer Zeit des Umbruchs, in der bereits spürbar war, dass der traditionelle Weg allein keine Zukunft mehr haben würde.

Der Hof war Lebensmittelpunkt – aber auch ein Ort, an dem früh Verantwortung übernommen werden musste.

Arbeit, Familie und Aufbau

Verantwortung tragen – auf mehreren Schultern

In den 1970er Jahren nahm Albert Stemp zusätzlich eine Arbeit in einer Zahnradfabrik in Passau an. Die eigene Schusterei hatte aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung und Massenfertigung nicht mehr bestehen können. Um die Familie wirtschaftlich abzusichern, war dieser Schritt notwendig.

Parallel dazu wurde der Gästebetrieb weitergeführt und die Zahl der Zimmer schrittweise erweitert.

Diese Jahre waren geprägt von Doppel- und Dreifachbelastung.
Industriearbeit, Hofarbeit und Gästebetrieb liefen gleichzeitig.
Der Hof war nie nur ein Ort – er war immer auch Aufgabe.

Herbert und Christine

Begegnung, Familie und neue Stärke

Als Herbert 1986 Christine kennenlernte, kam nicht nur eine Partnerin in sein Leben, sondern eine Frau, die den Betrieb entscheidend mittragen sollte.

Der Grundstein für die Pension

1989 – Der Schritt in die Selbstständigkeit

1989 wurde der Grundstein für eine eigene Pension gelegt – in großer Eigenleistung und neben dem Vollzeitjob. Es war eine mutige Entscheidung und ein Kraftakt zugleich. 1991 zogen die ersten Gäste in das neue Haus ein.

Der Hof begann sich sichtbar zu verändern – nicht über Nacht, sondern mit Bedacht.

Familie wächst – und mit ihr das Haus

Zwischen 1993 und 1999 wurden die drei Töchter geboren:
Katharina, Corina und Maria.

Familienleben und Betrieb waren von Beginn an untrennbar miteinander verbunden. Das Haus war Arbeitsplatz, Zuhause und Verantwortung zugleich.

Die nächste Generation wuchs mitten im Betrieb auf – so, wie Herbert selbst einst auf dem Hof aufgewachsen war.

Das Landhotel Stemp

Die dritte Generation wächst heran

Mit der Zeit entwickelte sich „Urlaub im Bayerischen Wald“ zu einem echten Gütesiegel.
Ein einzigartiger Nationalpark, eine Urlaubsregion mit Reiz zu jeder Jahreszeit und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis brachten viele Gäste ins Haus.

Und wer abreiste, schwärmte von der Gastfreundschaft, die er hier erlebt hatte.
Viele fühlten sich nicht wie Gäste, sondern wie ein kleines Stück Familie Stemp.

Die Ansprüche wuchsen. Im Jahr 2001 wurden teilweise die Zimmer im Bauernhaus zu Ferienwohnungen umgebaut – gedacht als mehr als nur eine Unterkunft für die Nacht.

Seit 2004 verwöhnt das Landhotel Stemp seine Gäste mit regionalen Köstlichkeiten im Rahmen der zubuchbaren Halbpension.
Christine Stemp stand dafür selbst am Herd und kochte, während Herbert den Service übernahm und sich um Organisation und Gästebetreuung kümmerte.
Bis zu diesem Zeitpunkt blieb das Haus ein reiner Familienbetrieb – ohne zusätzliches Personal.

Auch die ältesten zwei der drei Töchter halfen nun bereits im Hotel mit – ganz selbstverständlich.

2006 – Bauen auf gewachsenem Grund

Neue Räume, neue Wege

Im Jahr 2006 entstand an der Stelle einer früheren Güllegrube ein neues Haus mit hochwertigen Suiten.
Bewusst wurde bestehende Fläche genutzt – ein frühes Zeichen für den nachhaltigen Umgang mit Boden und Ressourcen.

Mit dem Bau des Suitenhauses erfolgte auch der Umstieg von Öl auf eine Hackschnitzelheizung.
Ein nachhaltiger Rohstoff, der gerade im Bayerischen Wald naheliegt – und ein klares Bekenntnis zur regionalen Energieversorgung.

Wellness als logische Entwicklung

Mit den Jahren 2011 und 2012 entstand ein völlig neues Landhotel Stemp.
Der klare Schritt in Richtung Wellnesshotel im Bayerischen Wald wurde vollzogen.

Restaurant, Barbereich, Fitnessraum, Innen- und Außenpool, drei Saunen, Ruheoase mit Schwebeliegen und Liegewiese im Freien prägten nun das Haus.

Wellness war keine Modeerscheinung – sondern die konsequente Weiterentwicklung dessen, wofür das Haus immer schon stand: Entschleunigung.

Auch in dieser Phase blieb das Haus familiär geprägt:
Christine Stemp kochte weiterhin selbst, Herbert war im Service präsent und betreute die Gäste persönlich. Erst im Zuge der weiteren Entwicklung im Jahr 2012 wurde die erste Servicekraft eingestellt – ein Schritt, der das Wachstum des Hauses sichtbar machte.

Ausweitung der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit war Herbert Stemp schon früh ein persönliches Anliegen.
Bereits Jahre zuvor beschäftigte ihn der Gedanke, mit Holz nicht nur zu heizen, sondern auch Strom zu erzeugen.

Im Juli 2014 ging schließlich der erste Holzvergaser mit 30 kW Stromleistung ans Netz.
Seitdem produziert das Landhotel Stemp einen Teil seines Stroms selbst. Die dabei entstehende Abwärme wird sinnvoll genutzt – in den Sommermonaten konnte die Hackschnitzelheizung dadurch oft monatelang außer Betrieb bleiben.

Abschied von der älteren Generation

In den Jahren 2014 und 2015 musste die Familie Abschied von Amalie und Albert Stemp nehmen.
Mit ihrem Tod ging nicht nur eine Generation, sondern auch jene Menschen, die den Grundstein für alles gelegt hatten, was das Haus heute ist.

Ihr Lebenswerk war der Hof, die ersten Gästezimmer, der Mut zum Wandel.
Ihre Haltung – Fleiß, Bodenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein – prägt das Haus bis heute.

Auch die Eltern von Christine, Gertraud († 2012) und Matthias Gattermann († 2022), hatten großen Anteil an der Entwicklung des Hauses.
Sie unterstützten bei Baustellen, halfen bei Zimmerrenovierungen, übernahmen Kinderbetreuung und waren zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Ihr Engagement war selbstverständlich und getragen von familiärem Zusammenhalt.

Mit dem Abschied dieser Generation ging eine prägende Zeit zu Ende.
Was blieb, war die Verantwortung, das gemeinsam Geschaffene weiterzuführen – und es mit Respekt vor der Vergangenheit in die Zukunft zu tragen.

Weiterdenken statt Stillstand

Im Jahr 2016 war es notwendig, die 1991 fertiggestellten Pensionszimmer grundlegend zu sanieren.
Innerhalb eines Zeitraums von nur vier Wochen wurden die Zimmer umfassend renoviert – ein intensiver Abschnitt, der viel Organisation und Einsatz erforderte.

Da das Bauernhaus langfristig weichen sollte, wurde zudem ein neues Wirtschaftsgebäude für Werkstatt, Heizung und Holzvergaser errichtet.

2017–2018 – Ein großer Einschnitt

Das Bauernhaus – Ursprung des gesamten Hotels – wurde im Laufe der Jahre zunehmend zum Sorgenkind.
Marode Mauern machten eine Renovierung unmöglich. 2017 entschied sich Herbert Stemp schweren Herzens zum Abriss seines Elternhauses – jenes Hauses, in dem er selbst aufgewachsen war.

Am 2. Juli 2017 wurde das Bauernhaus abgetragen. Ein emotionaler Moment, der Vergangenheit abschloss und zugleich den Weg für Neues freimachte.

Bereits am 17. Mai 2017 hatte mit dem Aushub für die neue Wasserfläche ein weiteres Großprojekt begonnen. Nur wenige Monate später, am 14. August 2017, schwammen die ersten Gäste im neu geschaffenen Pool, eingebettet in einen Naturteich – ein beeindruckend kurzer Zeitraum für ein Vorhaben dieser Größenordnung.

Mit dem Abriss und den Bauarbeiten wurde das gesamte Areal neu strukturiert.
Am 18. August 2017 begann mit dem Aushub der Bau des neuen Hotelgebäudes. Am 23. März 2018 zogen bereits die ersten Gäste in die neuen Zimmer ein.

Es entstanden 23 neue Zimmer und Suiten, zusätzliche großzügige Ruheräume sowie neue Restaurantstuben, ein moderner Bar- und Loungebereich. Die Wellnesslandschaft wurde deutlich erweitert und prägt seither das Erscheinungsbild des Hauses.

Diese Phase war geprägt von Mut, enormer organisatorischer Leistung und großen Investitionen – und von der Erkenntnis, dass Veränderung immer auch Abschied bedeutet.

Reifejahre

Seit 2019 liegt der Fokus verstärkt auf Qualität, Service und Atmosphäre.
Gästebetreuung, Teamarbeit und das Ambiente des Hauses wurden kontinuierlich weiterentwickelt.

Die zahlreichen Auszeichnungen der vergangenen Jahre sind Ausdruck dieser konsequenten Arbeit – und Bestätigung eines Weges, der nie auf schnelle Effekte ausgerichtet war.

Nachhaltigkeit als Haltung

Im Jahr 2020 wurde eine zweite Holzgasanlage mit 70 kW in Betrieb genommen.
Damit zählt das Haus Stemp zu den großen Betreibern von Holzgasanlagen in Deutschland.

Nachhaltigkeit ist im Haus Stemp kein Projekt, sondern fester Bestandteil der Unternehmensführung.
Sie zeigt sich im Bauen, im Umgang mit Ressourcen, in regionalen Kreisläufen – und im langfristigen Denken über Generationen hinweg.

2025 – Weitergehen, ohne zu vergessen

Zunächst wurde die Lobby neu gestaltet und die Zimmer sowie öffentlichen Bereiche vollklimatisiert.

Es folgte die Erweiterung der Wellnesslandschaft mit der neuen OASEE:
Auf über 2.000 m² entstand eine textilfreie Wellnesslandschaft, in der Innen- und Außenräume bewusst miteinander verschmelzen.

Im Mittelpunkt steht der Stemp-See, ein 60 Meter langer, beheizter Naturpool, eingebettet in die umliegende Landschaft.
Er lädt zum Innehalten, Loslassen und meditativen Schwimmen ein.

Ergänzt wird die OASEE durch eine Event-Seesauna, eine Feuerlounge, Wärmehäuschen – Ruhezonen mit Infrarotwärme im Freien-, Rotarioinseln am Teich, einen Granit-Whirlpool, den Ruheraum SEElentium, einen Schaukelwald sowie eine Seeblicklounge.

Die OASEE wurde nicht nur gebaut – sie ist Ausdruck dessen, was das Haus Stemp seit jeher prägt:
Respekt vor der Natur, Sehnsucht nach Ruhe und die Überzeugung, dass echtes Wohlbefinden dort entsteht, wo Raum fürs Wesentliche bleibt.

Zum Abschluss wurden drei Gas-BHKWs zur zusätzlichen Versorgung von Wärme und Strom in Betrieb genommen.

Eine Geschichte, die weitergeht

Heute ist Das Stemp ein 4-Sterne-Wellnesshotel im Bayerischen Wald.
Doch im Kern ist es geblieben, was es immer war: ein Familienbetrieb, gewachsen aus Verantwortung, geprägt von Wandel und getragen von Haltung.

Diese Geschichte ist offen.
Und sie wird weitergeschrieben.